Mikroabenteuer Bikepacking – Was steckt hinter dem Trend?


Reisen in entfernte Länder sind derzeit glücklicherweise dank der entspannteren Reisebedingungen wieder möglich. Und nach zwei Jahren Pandemie, Homeoffice und Beschränkungen zieht es viele verständlicherweise in die Ferne.

Aber der Sommer ist lang und die meisten von uns kommen sicherlich nicht in den Genuss, die ganzen Sommermonate im Urlaub verbringen zu können. Wenn Dein Sommerurlaub also entweder schon hinter Dir, oder noch in weiter Ferne liegt, und Dir öfters die Decke auf den Kopf fällt, dann sind Mikroabenteuer kleine Kurzurlaube, mit denen Du dem Alltag für kurze Zeit entfliehen kannst.
Besonders gut für Dein Mikroabenteuer eignen sich Wochenenden und Feiertage. Aber auch nach der Arbeit kannst Du für einen „Overnighter“ aufbrechen, die Nacht unter den Sternen verbringen, und morgens wieder im Büro sitzen. Denn ganz nach dem Begründer der Mikroabenteuer, Alistair Humphreys, heißt die Devise:



„Man kann sich auf das konzentrieren, was man zwischen neun Uhr morgens und fünf Uhr abends tun muss – oder auf das, was man zwischen fünf Uhr abends und neun Uhr morgens tun kann.“
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Worauf wartest Du also? Die beste Zeit ein Abenteuer zu erleben ist nicht morgen oder demnächst, sondern genau jetzt!

Mikroabenteuer: Bikepacking.

Eine gute Möglichkeit die Heimat zu erkunden, ist mit dem Fahrrad. Das sogenannte Bikepacking bezeichnet das Reisen mit dem Fahrrad und minimaler Ausstattung. Perfekt also für ein Microadventure! Was man genau für eine Bikepacking-Tour braucht und was beachtet werden muss, erfährst Du jetzt!

Getting started:

Die größte Hürde ist oftmals der Anfang. Nicht jede*r ist perfekt ausgestattet oder möchte sich eine teure Ausrüstung anschaffen, bevor ein neues Hobby zum ersten Mal ausprobiert wird. Das Schöne am Bikepacken ist aber, dass es keine spezielle Ausrüstung braucht. Du hast ein verkehrssicheres Fahrrad im Keller stehen? Super! Damit erfüllst du schon mal die wichtigste Komponente des Bikepackings.

Das Fahrrad:

Welches Fahrrad Du für Dein Abenteuer wählst, ist also erst einmal vollkommen egal. Unterschiedliche Räder bieten natürlich unterschiedliche Vorzüge. So ist ein Gravelrad mit etwas dickeren Reifen ausgestattet, mit denen Du auch gut über Waldboden und Schotterstraßen fahren kannst. Außerdem ist die Geometrie des Rads weniger sportlich und eher für längere Strecken ausgelegt. Ein Rennrad ist dagegen schneller, vor allem auf Asphalt rollt es sich gut. Aber genauso eignet sich ein Trekkingrad, auf dem Du bequem sitzt, wenn Du überwiegend auf asphaltierten Straßen fährst. Planst Du ganz abseits der Straßen im groben Terrain unterwegs zu sein, kann ein Mountainbike die beste Lösung sein. Letztlich solltet es gut rollen – alles andere ist persönliche Präferenz!

Die Ausrüstung:

Die passende Ausrüstung ist sehr individuell und wenn Du einige Abenteuer mit dem Rad hinter Dir hast, wirst Du schnell merken, was Du brauchst, um Deine Zeit in der Natur komfortabler zu gestalten.

Bevor Du aufbrichst, solltest Du dich also fragen: Wo geht meine Reise hin? Wie lange möchte ich fahren? Will ich in der Natur oder in einer Jugendherberge schlafen? Gehe ich vor Ort essen oder verpflege ich mich selbst? Je nachdem variiert natürlich auch die Ausrüstung. Achte auch darauf, dass die ganze Ausrüstung am Fahrrad verstaut werden kann (darum geht es schließlich beim Bikepacking), denn der Platz ist begrenzt.

Zelt, Schlafsack und co.:  

Unabhängig von der Länge Deiner Reise wirst Du früher oder später schlafen müssen. Du kannst einerseits ganz komfortabel in einer Jugendherberge oder ähnlichem unterkommen. Dann brauchst Du neben der Kleidung kaum weiteres Equipment.

Möchtest Du campen, dann brauchst Du ein Zelt, einen Biwaksack oder eine Hängematte, sowie eine Unterlage und Schlafsack. All diese Dinge gibt es praktischerweise in kleinem Packmaß und leichter Ausführung, sodass sie sich gut für die Reise mit dem Rad eignen.
Vielleicht kannst Du dir das Equipment für Deinen ersten Trip von Bekannten leihen? Wenn du genügen Platz am Rad hast, eignen sich natürlich auch größere Modelle für Deinen Trip.

Verpflegung:

Wer sich körperlich anstrengt, muss auch genügend Nahrung zu sich nehmen, um ausreichend Energie zu haben. Für unterwegs solltest Du Snacks wie Energieriegel, Nüsse und Obst einpacken. Süßigkeiten helfen bei Laune zu bleiben und der Zucker gibt schnelle Energie, wenn die Strecke mal anstrengender wird.
Wenn Du Dich beim Camping selbst versorgen willst, eignen sich Nudeln mit Pesto als idealer Energielieferant nach einem anstrengenden Tag im Sattel – zudem nehmen die zwei Produkte wenig Platz weg. Alles was Du dann zum Kochen benötigst ist ein Campingkocher mit Gaskartusche (Feuerzeug nicht vergessen!) und einen passenden Topf – und natürlich Wasser zum Kochen der Nudeln. Auch hier gibt es spezielle Töpfe, Teller und Besteck, die sich platzsparend zusammenfalten lassen. Campingkocher gibt es sogar im Hosentaschenformat.
Für das Frühstück kannst Du Dir Haferflocken und Nüsse abfüllen, sowie etwas (Instant-)Kaffee – damit steht einem stärkenden Frühstück mit Porridge nichts im Wege!

Wenn Du Nahe eines Ortes campierst, findest Du dort vielleicht eine Möglichkeit für die Verpflegung, wie ein Restaurant oder einen Bäcker. So sparst Du Dir eine Menge Equipment ein, allerdings taucht man auch weniger in das Abenteuergefühl ein, weil man nicht zu weit von der Zivilisation streunen kann.

Kleidung:

Je nachdem wie lang Deine Reise wird, empfiehlt es sich eine Radhose anzuziehen. Dein Po wird es Dir danken!
Ansonsten kannst Du ganz normale Sportkleidung anziehen, die atmungsaktiv ist. Je nach Wetterlage solltest Du auch wasserdichte Kleidung dabeihaben und für abends wärmende Schichten einpacken. (Synthetische) Daunenjacken eignen sich hervorragend, da sie sich klein packen lassen und gleichzeitig schön warmhalten, wenn Du abends vor Deinem Zelt hockst.

Weiteres Equipment:

Weiteres Equipment, dass Du für Dein Outdoorabenteuer brauchst, sind ein Handtuch (am besten aus Mikrofaser, das nimmt wenig Platz weg und trocknet schnell), Zahnbürste und Waschzeug, ggf. ein Flaschenöffner, Mülltüten, ein scharfes Messer, Ladekabel und Powerbank sowie natürlich Dein Handy und Portemonnaie. Ganz wichtig ist auch Pannenwerkzeug, also ein Multitool, Reifenheber und ein Ersatzschlauch, damit Du kleinere Reparaturen am Rad selbst vornehmen kannst.

Taschen:

Hast Du einen Gepäckträger an deinem Fahrrad? Dann eignen sich Radtaschen, die Du an Deinem Gepäckträger befestigen kannst, ganz wunderbar. Sie lassen sich gut packen und bieten viel Stauraum für Dein Equipment. Allerdings bist Du damit etwas weniger wendig unterwegs, sodass Dir das Fahren auf schmalen Waldwegen erschwert werden könnte.
Weniger Stauraum, dafür mehr Agilität, bieten sogenannte Bikepackingtaschen. Diese Taschen werden am Lenker, Sattel und im Rahmen des Rads befestigt. Sie sind leicht und windschnittig gebaut, sodass auch kleine Pfade kein Hindernis für Dich darstellen sollten.

Persönliche Tipps zur Ausrüstung, die nicht fehlen dürfen:

  • Ein Jutebeutel für Einkäufe zwischendurch. Wenn Du im Supermarkt stehst, voll bepackt mit Snacks, wirst du schnell merken, dass ein Jutebeutel wenig Platz wegnimmt, aber Dir den Einkauf sehr erleichtert.
  • Ein Geschirrhandtuch. Morgens das Gesicht mit dem Handtuch abtrocknen, mit dem Du abends noch den Topf ausgewischt hat, in dem vielleicht sogar noch etwas Pesto klebte? Es gibt schöneres, so viel Platz muss also sein.
  • Gewürze. Fülle Dir ein paar Gewürze wie Salz ein eine kleine Tüte oder ein Behältnis ab. Damit schmeckt die Pasta am Abend deutlich besser.

Route planen:

Du bist Feuer und Flamme, aber Du hast keinen blassen Schimmer, wo die Reise hingehen soll? Das Ganze soll ein Abenteuer sein, also lass Dich doch überraschen!
Du könntest einfach mal eine Karte Deines Umfelds zücken und den Stift fallen lassen. Alternativ kannst Du Dir ein besonderes Ziel setzten, wie den höchsten Berg Deiner Umgebung oder entfernt wohnende Verwandte. Du wohnst in einem Grenzgebiet? Dann statte dem Nachbarland doch mal einen Besuch ab – für ein frisches Croissant nach Frankreich fahren, hört sich nach einer super Geschichte an! Deiner Fantasie sind hier also keine Grenzen gesetzt.
Wenn Du nicht Wildcampen möchtest, was in Deutschlang nicht gestattet ist, geben auch die umliegenden Campingplätze oder andere Unterkünfte die Richtung vor.

Tipp für Fortgeschrittene:

Wie wäre es denn mal damit, ohne feste Route loszufahren und sich stattdessen einfach vom Bauch leiten zu lassen – erstmal raus aus der Stadt und dann an jeder Abzweigung entscheiden, wo es langgehen soll. Da schlägt das Abenteuer-Barometer aus!

Steht das Ziel fest, kannst Du die Route ganz einfach mit Apps wie zum Beispiel komoot planen. So kannst Du individuell festlegen, wie Du an Dein Ziel gelangen willst und Dich auch während der Fahrt von der App navigieren lassen.

Übernachtung:

Du hast Dich entschieden Deine Nacht unter den Sternen zu verbringen? Super! Auch wenn ein Bett mehr Komfort bietet als eine Luftmatratze, so ist die Erfahrung einer Nacht in der Natur einfach unschlagbar und Du wirst es bestimmt nicht bereuen!
Das Wildcampen ist wie erwähnt in Deutschland nicht erlaubt und im schlimmsten Fall musst Du mit einem Bußgeld rechnen, wenn Du erwischt wirst.
Schöne Alternativen zum Wildcampen sind Webseiten wie 1NiteTent oder MyCabin. Über diese Seiten kannst Du Campingschlafplätze bei Privatleuten finden, die gar nichts bis wenig Geld kosten. So bekommst Du auf ganz legale Weise die volle Camping-Experience und kannst Dich zugleich ein wenig sicherer fühlen, wenn Du alleine unterwegs bist.
Egal wo Du dein Nachtlager aufschlägst, wie immer gilt: Hinterlasse keinen Müll und nimm Rücksicht auf Deine Umgebung.

 

Na, bist Du auf den Geschmack gekommen und planst im Kopf schon Deine erste oder nächste Tour? Wir wünschen Dir viel Spaß und eine unvergessliche Zeit auf dem Fahrrad!
Und denk daran: Du machst das für Dich! Es ist ganz egal, wie und wo Du fährst, ob du mit einem speziellen Rad und teurer Ausrüstung unterwegs bist oder dabei Instagram-tauglich aussiehst. Es ist Dein Abenteuer, Deine Auszeit vom Alltag. You do you – genieße die Zeit in der Natur und hab Spaß an der Sache!

 

*Alistair Humphrey im Interview mit Anke Eberhardt in: „Der Beste Zeitpunkt für Abenteuer? Jetzt!“, Walden 3/2018, S. 24-27.